Das Kloster Dobbertin
Aufgeschrieben für den MFP von Horst Alsleben,
Klosterbauleiter, Schwerin
Nach einem Vortrag auf der gemeinsamen Frühjahrstagung des
Landesheimatverbandes Mecklenburg-Vorpommern e. V. und des Vereins
für Mecklenburgische Familien- und Personengeschichte e. V. am 7. April
2001 in Schwerin. Alle Rechte bei H. Alsleben, Wiedergabe jeglicher Art nur mit
ausdrücklicher Genehmigung des Autors. Für weitere Informationen
siehe auch
Dobbertin.Meckelborg.de
Kloster Dobbertin
Mönche und Nonnen des Benediktinerordens, adliges Damenstift,
Heimstatt für Behinderte
Eine der bemerkenswertesten Klosteranlagen Mecklenburgs kann bald
auf seine 800jährige wechselvolle Geschichte
zurückblicken.
Idyllisch am Dobbertiner See, am Rande des Naturparks Nossentiner Hütte
/ Schwinzer Heide gelegen (20 km südlich von Güstrow, 50 km
östlich von Schwerin) ist es das einzige in seiner Gesamtheit noch
erhaltene Benediktinerkloster Mecklenburgs.
Bis zu seiner gewaltsamen Auflösung im Jahre 1918 hatte das Kloster
zeitweise einenn Besitz von 25.222 ha Land mit
26 Gütern, 12 Förstereien, 3 Ziegeleien, 2
Kalkbrennereien, mehrere Mühlen sowie 19
Kirchen und 43 Schulen.
Das heutige Klostercafe war einst das Brau- und Brennhaus.
Um 1220 wurde es als Mönchskloster unter Fürst Borwin I.
auf einer Halbinsel im Jawir-See gegründet. Der Ort für dieses
Kloster wurde mit Bedacht gewählt, denn er bot ausreichenden Schutz
vor Feinden und Räubern.
Umfangreiche bauarchäologische Untersuchungen 1993 - 1999 weisen auf
keine Besiedlung der Halbinsel vor der Klostergründung hin.
Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden. Vermutlich erfolgte die
Klostergründung ohne Stiftsurkunde. In der Literatur der letzten
Jahrhunderte wird das Gründungsjahr von 1219 bis 1227
angegeben.
Die erste Urkunde vom 28.
August 1227 (MUB 343) ist mit den folgenden Siegeln und dem
parabolischen Geschäftssiegel des Probst Arnold versehen.
1234 erfolgte die Umwandlung in ein Nonnenkloster
gleichen Ordens.
Die Mönche gingen ins Marienkloster nach Stade zurück. Aus
Zeven kamen die Nonnen.
Fundamentreste der Klosterkirche mit aufgehenden
Diensten um 1280 als älteste
Bebauungen konnten 1994 nachgewiesen werden.
Der bestehende einschiffige gotische Backsteinbau hat in seinem hohen
schmalen Innenraum die Nonnenempore. Darunter befindet sich eine
zweischiffige Halle mit Kreuzrippengewölben auf Granitpfeilern (Mitte
14. Jhd.).
Auf der Nonnenempore hängen Wappen der
verstorbenen Konventualinnen und an den Adelslauben
von 1747 befinden sich ebenfalls deren
Wappen.
Während der Reformation war heftiger Widerstand
von den Nonnen aus Dobbertin zu hören.
Erst 1572 wurde das Kloster in ein adliges Damenstift "zur christlichen Auferziehung
inländischer Jungfrauen" umgewandelt.
Nun noch eine kurze Darstellung der geschichtlichen Entwicklung des
Dobbertiner Klosters in den nächsten 360 Jahren als Landeskloster.
Die Oberaufsicht hatte nun der Klosterhauptmann, der
Konvent wurde von der Domina geleitet.
Auf dem Landtag wählten die Stände den Klosterhauptmann auf
sechs Jahre. Als Vermögensverwalter des Klosters mit seinen
unzähligen Ländereien, Dörfern, Kirchen und Schulen hatte er
auch noch das gesamte Polizei- und Gerichtswesen unter sich. Ihm standen
zur Seite der Küchenmeister, Syndikus, Amtssekretär,
Forstinspektor, Landreiter bis zum Nachtwächter. Die Wahl der beiden Provisoren aus dem Herzogthum Schwerin und
Güstrow erfolgte auf vier Jahre. Schwierige und grundsätzliche
Fragen wurden mit den Provisoren gemeinsam entschieden.
Die Domina hatte die Ordnung unter den im Kloster wohnenden Damen
aufrecht zu erhalten. Der Konvent wählte die
Domina auf Lebzeiten.
War die Aufnahme ins Kloster bisher Sache
des Konvents, so wurden die Bedingungen der
Aufnahme verändert. Es fielen das Ordensgelübde
und das Probejahr weg und der Austritt aus dem Kloster stand jederzeit frei.
Das vor Jahren wiedergefundene Einschreibebuch
des Klosters gibt Aufschluß über die Jahre 1696
- 1918.
Schon wenige Tage nach der Geburt wurde die erste Tochter im Kloster
Dobbertin eingeschrieben. Die Zweitgeborene im Kloster Malchow
und die dritte im Kloster Ribnitz.
Die Einschreibung erfolgte in der Reihenfolge der beim Küchenmeister
eingezahlten Einschreibegebühr von 294,20 Mark.
Dem Gesuch war eine Ahnentafel beizufügen, aus der sichergeben mußte,
daß auch die Großeltern von adeliger Geburt waren.
Das Einschreibebuch wurde über Jahrzehnte exakt geführt
und ist nun das wichtigste Dokument bei der Aufarbeitung der Klostergeschichte.
In 222 Jahren haben bis 1918
genau 160 adlige Familien ihre Töchter im
Kloster Dobbertin einschreiben lassen. Darunter befanden sich 188 Töchter der Familien von Bülow, weitere 107 von Oertzen,
68 von Blücher, 64 von Bassewitz, 59 von der Lühe, 56
von Plessen, 55 von Maltzan, 48 von Lützow, um nur einige
zu nennen.
Über 360 Jahre hatten 32
erfahrene und ehrwürdige Klosterhauptmänner
mit ihren Provisoren und dem Küchenmeister die Geschicke des
Klosters geleitet. Einige von Ihnen mögen erwähnt werden.
- 1557 Jürgen von Below (erster Klosterhauptmann, Reformation im Kloster)
- 1570 Joachim von der Lühe (Taufstein in der Kirche (Brandin), Wohnung
Domplatz in Güstrow)
- 1610 Joachim von Bassewitz (Domprobst zu Schwerin, 1588 wegen Unfähigkeit
abgesetzt)
- 1611 Joachim von Oldenburg (Stifter des Dobbertiner Armenhauses)
- 1634 Joachim Moltzan ("... unrechtmäßige Wahl zum Klosterhauptmann")
- 1709 Joachim von Bassewitz ("... kleine Glocke für Kirche gegossen")
- 1747 Henning Graf von Bassewitz (herzoglich holsteinischer Premierminister,
1761 Holstein Gottorf auf Russischem Zarenthron)
- Jobst Hinrich von Bülow (Kirchenrestauration 1747, Glaskrieg Woserin, Hohen Pritz,
"Wahlbetrug" bei Pastoren)
- 1768 Johann Dietrich von der Osten ("steckbrieflich wegen betrügerischen
Konkurses im Land gesucht ...", danach Festung Dömitz, ins Ausland (Rügen) verwiesen)
- 1790 Freiherr von Krackewitz (Obelisk mit Margaretha Dorothea von Blücher,
Schwester des Feldmarschalls)
- 1806 August von Lowtzow (Schlacht bei Nossentin, Blücher mit Armee im Kloster)
- 1818 Christian Georg Ferdinand von Raven (Page des Herzogs Adolf Friedrich IV.
von Meckl.-Strelitz, 1787 Husaren-Regiment, Eisenkreuz auf Klosterfriedhof)
- 1830 Victor von Oertzen (Bau der Klosterkirche)
- 1836 Baron von Le Fort (Holländer, befreundet mit Zar Peter, Bau der Klosterkirche)
- 1854 Otto Julius von Maltzan (Kirchenumbau, Architekt Thormann und Archivrat Dr. Lisch)
- 1870 Joachim von Bernstorff (Welf Linie Hannover, Mathilde von Rohr, Fontane)
- 1882 Wilhelm Thedwig von Oertzen (Leibbursche bei Kaiser Friedrich, neue
Schulordnung im Kloster)
- 1894 Erblandmarschall von Lützow (Klosterbesuch 1904 Großherzog Friedrich Franz
und 1908 niederländische Königin, bei Verhandlungen "Mann von Eisen...")
- 1914 Georg von Flotow (Dragoner)
- 1917 Hellmuth von Prollius (letzter Klosterhauptmann, wurde zweimal abgelöst)
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