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AdelslexikonDas Lexikon "Der Adel in Mecklenburg" - Von der Idee zur VerwirklichungVortrag gehalten von R. Münzing auf der Herbsttagung 2004 des Vereins für mecklenburgische Familien- und Personengeschichte e. V. Im Thünen-Museum Tellow Die VorgeschichteGelegenheit macht Liebe, Gelegenheit macht auch ein Hobby. Als Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in der Ostsee-Zeitung eine Artikelserie über die Städtewappen des damaligen Bezirkes Rostock erschien, war mein Interesse an den kleinen Bildern und die Geschichten, die sich darum rankten, erwacht und ich begann neben Briefmarken, Postkarten und Modellautos, nun auch Wappen zu sammeln; die Möglichkeiten waren damals in der DDR aber doch noch eher bescheiden. Publikationen auf diesem Gebiet gab es nur sehr wenige und man musste schon intensiv suchen, wollte man über Buchhandlungen an derartige Exemplare gelangen, die ohnehin meist in kürzester Zeit vergriffen waren. Man darf bei der Betrachtung dieser Situation auch nicht vergessen, dass es ja Personal-Computer, wie sie heute in jeder Buchhandlung unentbehrlich sind, noch gar nicht gab. 1979 erschien das "Lexikon Städte und Wappen der Deutschen Demokratischen Republik" und behandelte thematisch das, was in der BRD bereits Anfang der 60er Jahre für die Städte und Landkreise dort publiziert worden war. Einer der damals hervorragenden Heraldiker der DDR, Heinz Machatschek, wirkte an dem Lexikon mit und brachte 1981 ein Buch mit dem Titel "Unterhaltsame Wappenkunde" heraus, das sich in allgemein verständlicher Form an den heraldischen Laien wandte und heraldische Grundbegriffe und Grundregeln vermittelte. Auch in verschiedenen Presse-Organen, wie z. B. in der "Neuen Berliner Illustrierten" brachte er heraldische Beiträge, die ich lange Zeit gesammelt und aufbewahrt habe. 1984 gab das Bibliographische Institut Leipzig das "Lexikon der Heraldik" heraus, das in alphabetischer Reihenfolge alle heraldischen Begriffe und Bezüge auf die Heraldik behandelte. Dieses Werk ist heute noch eines der aussagekräftigsten Publikationen auf dem Gebiet der allgemeinen Heraldik und ist in seiner Bedeutung den Werken Ottfried Neubeckers wohl gleichzusetzen. 1987 erschien dann noch das Buch "Heraldik" des Tschechen Milan Buben, der die Heraldik an internationalen Beispielen allgemeinverständlich abhandelte. Damit erschöpfte sich dann aber auch schon im Wesentlichen das Aufkommen an bedeutenderen Publikationen auf dem Gebiet der Heraldik in der ehemaligen DDR. Am 15. Oktober 1988 wurde in Rostock die Heraldische Fachgruppe "Zum Greifen" gegründet, der ich einen Monat später beitrat. Diese Fachgruppe vereinte heraldisch Interessierte im Norden der ehemaligen DDR (im Süden existierte bereits der Leipziger "Schwarzer Löwe") mit über 20 Mitgliedern, deren Anzahl sich dann später aber auf etwa 10 Mitglieder einpegeln sollte. Die Arbeit in dieser Fachgruppe hat mir fachlich auf dem Gebiet der Heraldik und der Genealogie sehr viel gegeben. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 eröffneten sich bis dahin ungeahnte Potenziale zur Erweiterung des Wissens für mein Hobby, zur gezielten Quellenforschung, zur Nutzung der bereits im Westen Deutschlands vorhandenen Publikationen auf dem Gebiet der Heraldik, und nicht zuletzt zum Studium der Geschichte Mecklenburgs mit deren territorialen und personellen Besonderheiten. Lebendig wird die Geschichte eines Landes erst durch die detaillierte Beschäftigung mit den Personen - oder auch ganzen Geschlechtern - die diese Geschichte nachhaltig beeinflusst haben. Und dies waren auf Grund der historischen Entwicklung, der etablierten Einflusssphären, sowie der Besitzverteilungen in Mecklenburg, nun einmal zu allererst Mitglieder der Adelsfamilien dieses Landes. So ergab es sich zwangsläufig, dass ich ausgehend von den entsprechenden Wappen, nach Spuren dieser in Mecklenburg faktisch ausgerotteten Volksgruppe suchte. Ich wandte mich von dem ungeordneten Sammeln von Ortswappen ab und dem Erforschen der Wappen ehemaliger Grundherren Mecklenburgs zu. Das Interesse an Kirchen, an Schlossbauten des hohen Adels und an Wohnbauten des Landadels brachte es mit sich, dass insbesondere die Adelsfamilien Mecklenburgs und ihre Wappen und Geschichte erfasst und sortiert gesammelt wurden. Allmählich wuchs der Wunsch, diese Sammlungen in einer gewissen einheitlichen Form zusammenzufassen und eine Dokumentation zu erstellen. Der zunehmende Einzug der Computertechnik in die Privathaushalte, verbunden mit drastischen Kostensenkungen zum Erwerb einer derartigen Anlage im Verlaufe der Zeit, brachte auch in dieser Beziehung neue Möglichkeiten. Fehlende künstlerische und handwerkliche Fähigkeiten konnten nunmehr mit Hilfe der Technik ausgeglichen werden, und für die Erstellung eines derartigen Werkes waren nun Kreativität, Geduld, Fleiß und das Vorhandensein einer umfangreichen Fachbibliothek die erforderlichen Voraussetzungen. Das Studium der verschiedensten Quellen zeigte, dass es zwar etliche Abhandlungen und Bücher zum Adel in Mecklenburg und der Geschichte einzelner Häuser gab, jedoch waren in der Erfassung Grenzen gezogen, die immer nur einen bestimmten Zeitraum oder eine bestimmte Stichtagsanalyse einbezog. So zum Beispiel "Blühender Adel", "Abgestorbener Adel", "Geschlechter bis 1360", "Geschlechter ab 1755" usw. Wo aber ist das Werk, das den in den Grenzen Mecklenburgs vorkommenden Adel von der Haupt-Territorialbildung 1167 (Heinrich der Löwe belehnt Pribislaw - Sohn des Niklot - als Fürst von Mecklenburg) bis in die Gegenwart erfasste? Eine derartige Zusammenfassung des gesamten in Mecklenburg vorgekommenen Adels, der dort begütert, bedienstet oder in anderer hervorragender Weise dort aufgetreten ist, gibt es nicht. Ich habe nun mein Hobby auf die qualitative Stufe gestellt, eine derartige Dokumentation in Form eines Lexikons des Adels in Mecklenburg zu erstellen. Die Gegenwart wird dabei mit dem Jahre 1945 - dem Jahr der Enteignung und damit der ökonomimischen Zerschlagung des Adels auf dem Gebiet der ehemaligen DDR - nach hinten begrenzt. Auf die aktuelle Gegenwart wird nur gelegentlich, und dann im Wesentlichen auch nur in Fortführung der vorher abgehandelten Adelsgeschlechter Bezug genommen. In meinem Bestreben, den gesamten in Mecklenburg vorgekommenen Adel lückenlos zu erfassen und zu dokumentieren (eingeborener Adel, Uradel, rezipierter Adel, zugewanderter und hier nicht anerkannter Adel anderer Länder innerhalb und außerhalb Deutschlands) befinde ich mich in Übereinstimmung mit der generellen Auffassung einer der bedeutendsten mecklenburgischen Heraldiker des 19. Jahrhunderts, Gottlieb Matthias Carl Masch, zu dieser Thematik, die er auch in seinem Vorwort zu Gustav v. Lehstens Werk "Der Adel Mecklenburgs" 1864 niedergeschrieben hat und die hier auszugsweise zitiert werden soll: "... Wenn aber ein Adelslexicon, zumal wenn es nur ein bestimmtes Land umfasst, seinen Zweck erfüllen soll, so muss die Vergangenheit in einem gewissen Maasse berücksichtigt werden, denn gar oft will man die Wappen derer kennen, die im Lande waren und nicht mehr da sind, und so kommt es dann darauf an, eine bestimmte Gränze zu ziehen. Der Kundige weiss, dass vor Jahren schon v. Gamm (zum Theil in v. Meding`s Nachrichten veröffentlicht) und neuerdings Lisch in den Jahrbüchern des Mecklenburgischen Vereins und anderwärts, gar viel Material gegeben haben, und doch ist es jetzt noch unmöglich, auch nur annähernd eine vollständige und zuverlässliche Wappenangabe sämmtlicher in Mecklenburg gewesener Familien zu geben, denn die Archive und die Denkmäler im Lande sind in heraldischer Hinsicht erst für einzelne Familien durchforscht worden. ... Den Grundbesitz der Familien im Ganzen wie in einzelnen Gliedern derselben nachzuweisen, wie es auch v. Ledebur in seinem Adelslexicon gethan hat, war in vielfacher Hinsicht, und auch besonders darum nothwendig, weil es dahin weiset, wo weitere Forschungen über die Familie, in Acten, Registraturen und Kirchenbüchern, anzustellen sind ...". Die Quellen1997 wurden die umfangreichen Recherchen auf der Grundlage der vorhandenen Quellen begonnen und die Ergebnisse in Computerdateien gespeichert, um sie dann alphabetisch geordnet auch wieder verwenden zu können. Nach vier Jahren wurden die Recherchen in 2000 im Wesentlichen abgeschlossen und in einer Recherche-Dokumentation ausgedruckt, die alleine fast 220 Seiten umfasst und nahezu 2.750 verschiedene Familien beinhaltet. In erster Linie dienten als Quellen die unterschiedlichsten Dokumentationen verschiedener Genealogen, Heraldiker und Historiker, die komplette und spezielle Abhandlungen zum Mecklenburger Adel herausgegeben haben. Es waren dies
Außerdem wurde eine Reihe von Dokumentationen genutzt, die zwar nicht direkt auf den mecklenburgischen Adel zugeschnitten sind, aus denen diese aber herausgezogen wurden. In der Hauptsache sind dies
sowie diverse Bücher über Schlösser und Herrenhäuser des Adels. Alle diese Recherche-Quellen wurden zu einzelnen Adelsgeschlechtern ausgewertet und die Ergebnisse so aufbereitet, dass sie bei der Bearbeitung des jeweiligen Adelsgeschlechtes sofort verfügbar sind. Bei Auftauchen weiterer Recherche-Möglichkeiten werden diese auch in Zukunft sukzessive noch genutzt; so werden neuerdings auch die "Oertzen-Blätter", soweit sie zur Verfügung stehen, in diesem Sinne genutzt. Das WerkNach vier Jahren intensiver Recherchen und umfangreicher Auswertung derselben, sowie nach alphabetischer Ordnung aller erfassten adeligen Familiennamen, ergab sich ein Bestand von exakt 2.744 Namen. Diese Zahl kann aber mit der Anzahl in Mecklenburg ermittelter Adelsgeschlechter keinesfalls gleichgesetzt werden. Schon bei der Erfassung wurde deutlich, dass durch unterschiedliche Schreibweisen in den verschiedensten Quellen ein und dasselbe Geschlecht zweimal erscheint, was auf den ersten Blick aber nicht immer sofort erkennbar ist. Auf der anderen Seite aber verbergen sich oft hinter einem Namen mehrere unterschiedliche Geschlechter, was zumeist erst bei der konkreten Analyse der Rechercheunterlagen sichtbar wird; manchmal bleiben selbst dann noch Zweifel, die dann eben geäußert werden müssen. Für den ersten Fall sei aus den bisherigen Bearbeitungen der Name Bischwang herausgegriffen, der auch als Bieswang, Bijywangh, Bischwank, Bisewang, Biswandt, Bistwang und Biswang erscheint, und für den zweiten Fall die v. Bützow, die gleich fünf mal auftreten. Wohl gemerkt, es sind dies nur die Ergebnisse aus den bisherigen Bearbeitungen. Aus der Literatur wissen wir, dass zum Beispiel der Name v. Müller (ohne die 25 Namen Müller mit Zusatz) im deutschsprachigen Raum 42 mal vorkommt, davon auch drei mal in Mecklenburg. Wenn dann der Stammsitz dem Geschlechtsnamen bei einer Erwähnung nicht zugefügt wird, ist in solchen Fällen eine zweifelsfreie Zuordnung zu bestimmten Besitzungen oder Ereignissen oftmals gar nicht möglich. Bei den in dem vorliegenden Band 1 behandelten Adelsgeschlechtern verhält es sich so, dass beim Buchstaben A von 58 Namenseinträgen ausgegangen worden ist, wovon nach genauer Bearbeitung noch 53 Adelsgeschlechter verblieben, und beim Buchstaben B beträgt das Verhältnis 329 Einträge zu 298 konkret ermittelten Adelsgeschlechtern. Setzt man diese Ergebnisse als repräsentativ für die gesamte Recherche voraus, so würde sich für den gesamten Adel in Mecklenburg ein Umfang von 2.490 Geschlechtern ergeben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Standeserhöhungen (also Freiherren, Grafen, Fürsten usw.) immer extra aufgeführt werden. Daraus folgt, dass das gesamte Werk voraussichtlich 7 Bände umfassen wird. Eine weitere Schwierigkeit stellte sich auch erst im Laufe der Bearbeitungen heraus, nämlich die Zuordnung von Besitzungen, deren Ortsnamen mehrfach auftreten bzw. auftraten, und die ohne weiteren Bezug in Dokumentationen genannt werden. Ich habe nur einmal die Ortsnamen aufgelistet, die in Mecklenburg mehr als 5mal an verschiedenen
Stellen vorkamen, um die Schwierigkeiten in dieser Beziehung aufzuzeigen. Es sind dies Gute Hilfe bei der Bewältigung dieses Problems gab mir das Heft Nr.1 unseres Vereins vom Juli 1999, das die Orte und Kirchspiele in Mecklenburg zum Inhalt hat. Das ganze Werk ist nun so aufgebaut, dass zu dem jeweiligen Adelsgeschlecht Angaben gemacht werden zu
Diese grundsätzliche Gliederung kann natürlich nicht immer vollständig eingehalten werden. Sie richtet sich dann doch immer nach nach dem vorliegenden Informationsgrad des jeweiligen Geschlechtes. Geschlechter, die in grauer Vorzeit bereits ausgestorben sind und zu denen es lediglich eine Erwähnung in einer Urkunde gibt, wie z. B. die Familie Badelaken, können durchaus mit zwei Sätzen abgehandelt werden, wohingegen das Geschlecht v. Blücher dazu schon fast 6 Seiten benötigt. Welch mühseliges Unterfangen dabei die Detailermittlungen manchmal darstellten, mag man nachvollziehen können, wenn z. B. zu dem großen und angesehenen Adelsgeschlecht v. Bülow, die auch als Freiherren und Grafen auftraten, zu den Besitzangaben über 4 Seiten mit insgesamt 215 Besitzungen aufzuführen waren. Im Ergebnis der Fertigstellung des Bandes 1 - Buchstaben A-B - umfasst dieser in seinem Hauptteil
Das Ganze rundet dann ab das Quellenverzeichnis mit 4 Seiten und das Namen-Verzeichnis mit 15 Seiten. Das Namen-Verzeichnis ist hierbei als Service für den Leser so aufgebaut, dass sämtliche bekannten Hauptschreibweisen des Namens einer in diesem Lexikon behandelten Adelsfamilie aufgeführt sind, mit dem Verweis auf den Namen, unter dem das Geschlecht behandelt ist, und in welchem Werk (gegenwärtig ja noch Band 1) dieses zu finden ist. Das Namen-Verzeichnis wird in jedem Band fortgesetzt und beinhaltet dann auch die Namen in den jeweils vorhergehenden Bänden. Zum Schluss soll das vorliegende Werk auch noch visuell in einigen prägnanten Blättern des Bandes 1 beispielhaft vorgestellt werden. Entsprechend der hier abgehandelten Thematik ist die Ausstattung in historischer Form gewählt worden; etwaige Stilbrüche, die dabei vorgekommen sein mögen, mag man dem Verfasser nachsehen, der schließlich auch seinen Spaß an allem haben möchte. Tafel 1 zeigt die Hauptblätter eines jeden Bandes, und zwar
Tafel 2 zeigt die den jeweiligen Abhandlungen eines Bandes vorgesetzten Deckblätter, und zwar
Tafel 3 zeigt die 3 Deckblätter zu den Verzeichnisanlagen, Quellen-Nachweise, Namen-Verzeichnis, sowie das Schlussblatt zum Band. Die Blätter sind stets gleichbleibend, bis auf die Nummer des aktuellen Bandes. Die Tafeln 4-6 schließlich zeigen Beispiele der konkreten Bearbeitung bei den Wappenabbildungen, Siegelabbildungen und Bebilderungen. Abschließend soll noch gesagt werden, dass dieses Lexikon ein echtes Hobby-Werk darstellt und lediglich in 4 Ausfertigungen im Band 1 besteht. Eine davon wurde dem Thünen-Museum in Tellow übergeben.
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| © D. Garling (Editor), zuletzt geändert 12. Dezember 2004 |