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Projekt: Erfahrungsberichte, nach einem Beitrag von Dr. Peter Chr. Clemens für den Deutschen Genealogentag 2003 in Schwerin: Familie HENRIQUES-JOSEPHY- Ein Beispiel deutsch-jüdischer Familienforschung - Die
horizontale Forschung nach lebenden Verwandten fesselt mich sehr viel mehr als die
vertikale Forschung nach toten Vorfahren. Deshalb bin ich viel mehr ein
Familienforscher als ein Vorfahren- oder Ahnenforscher (nach DUDEN Ahne
=Vorfahre). Natürlich brauche ich die Ahnen als „Brücke“, um an weitere Lebende
heranzukommen, deshalb interessiere ich mich zwangsläufig doch ein bisschen
auch für Ahnenforschung. Mein
Urgroßvater Otto KAYSEL, geboren 1843, Ehrenbürger von Ludwigslust/ Mecklenburg,
heiratete Ottilie geborene JOSEPHY, geb.
1848. Sie war jüdisch und konvertierte kurz vor der Hochzeit zum lutherischen
Protestantismus, ließ sich taufen. Im klassisch-jüdischen Verständnis ist die
Taufe kein gültiger Akt, blieb sie Jüdin. Judentum wird von der Mutter auf die
Kinder übertragen, und auch nur dies kann die Zugehörigkeit zum Judentum
begründen. Ein freiwilliges Konvertieren zum Judentum ist (fast) unmöglich. Die
Relevanz ausschließlich der Mutter, nicht des Vaters, begründet sich sicherlich
in der prinzipiellen Ungewissheit, ob ein vermeintlicher Vater wirklich der biologische
Vater ist (bekanntlich nur in ca. 90%, wegen der bekannten Untreue der Frauen).
Da nach jüdischem Verständnis meine Urgroßmutter trotz ihrer Konversion jüdisch
blieb, sind natürlich auch alle ihre Kinder jüdisch. Ebenso sind die Taufen
meiner Großmutter und meiner Mutter nicht relevant, auch sie, und auch alle
vier Söhne meiner Mutter, sind jüdisch, also auch ich. (Meine Kinder wiederum
sind nicht jüdisch, da ich das „falsche“ Geschlecht habe.) Nach protestantischem
Verständnis bin ich wegen meiner Taufe Protestant. Nach Hitlers Rechnung bin
ich Achteljude, was ebenso unsinnig ist wie, achtelschwanger zu sein. Nach
meinem Selbstverständnis bin ich ein Orthodoxer - ein orthodoxer
Humanist, der immer wieder am christlichen und auch am jüdischen Gemeindeleben
gern teilnimmt.
Von
den Nachfahren meiner Urgroßmutter kenne ich ungefähr ein Viertel. Ihre 14 Geschwister
und deren Nachfahren leben nicht in Deutschland. Sie wurden entweder im HITLER-Regime
ermordet, oder sie wanderten aus und leben im Ausland. Jede
neue Kontaktaufnahme zu den Nachfahren der Geschwister meiner Urgroßmutter ist psychologisch
sensibel, weil von den meisten die Eltern oder zumindest Onkels oder Tanten in
der Nazizeit ermordet wurden, weil sie nicht mehr rechtzeitig aus Deutschland
herauskamen. Oft haben die heute lebenden Nachfahren versprechen müssen, nie
wieder Kontakt zu Deutschen oder Deutschland aufzunehmen. Ich bin zwar
Deutscher, aber eben auch Familienmitglied und vom jüdischen Verständnis her bin
ich ja auch Jude. Viel Sensibilität und Geduld kann hier sehr weiterhelfen.
Eine letzte Tante, deren Eltern in der Nazizeit ermordet worden sind und die
mit einem Kindertransport allein nach England entkommen ist, teilte mir beim
letzten email-Kontakt mit, dass sie demnächst nun doch nach Mecklenburg kommen
will. Beim
ersten Besuch wohnen meine jüdischen ex-mecklenburgischen Verwandten
typischerweise bei mir. Sie besuchen ihren Vetter und ich zeige ihnen die
Heimstätten ihrer Vorfahren, nicht aber besuchen sie einen Deutschen und
Deutschland. Ich zeige ihnen unser schönes Mecklenburg so, dass sie sich verlieben.
Sie fahren wieder nach Hause. Zwei Jahre später bekomme ich eine Email: „Ich will
dir nur mitteilen, dass wir wieder nach Deutschland kommen. Wir werden uns
München und Berlin ansehen und natürlich auch Mecklenburg. Wir würden gern zu
einer Tasse Kaffee am Sonntagnachmittag kommen.“ Dies zeigt mir, dass ich mein
Ziel erreicht habe, die Brücke in die alte Heimat und nicht nur zu mir
persönlich ist gebaut. Diese meine Art der Familienforschung verstehe ich
durchaus als Beitrag zur Völkerverständigung. Ganz besonders für Menschen, die
Grund genug hätten, den Kontakt zu uns Deutschen zu verweigern. Deshalb
interessiere ich mich besonders für die jüdischen Vorfahren meiner Mutter, und
vor allem für all deren lebende Nachfahren.
Ein
solcher „Köder“ ist die Ahnenreihe von meiner Ururgroßmutter Henriette HINRICHSEN.
Fünf Generationen dieser Ahnenreihe verdanke meinem genealogisch engagierten
Großvater, 15 meinem israelischen Vetter Joseph BEN BRITH, die weiteren 101 Generationen
der Bibel. 20
Generationen rückwärts von meiner Ururgroßmutter Henriette HINRICHSEN findet
sich der erste Oberrabbi von Portugal
namens Ya'isch IBN YAHYA. Er lebte von 1110-1204.
Zunächst war er Militärführer eines muslimischen Heerführers in Marokko. Das
Verhältnis zwischen Juden und Moslems war bis vor ca. 100 Jahren in aller Regel
sehr einvernehmlich und friedvoll, im Unterschied zu der Beziehung zwischen
Juden und Christen, die weitstreckig problembeladen war, wegen damals Missionseifer
und Intoleranz der Christen. Seine
Nachfahrenlinie durch 24 Generationen zu
mir ist in Kirchenbüchern/ Synagogenbüchern sorgfältig dokumentiert. Seine 101 Vorfahrengenerationen hingegen kann
man nur in der Bibel finden. Dass wer Kirchenbüchern glaubt, erst recht der
Bibel glauben sollte, ist eine Logik, der sich allenfalls humorlose Menschen
entziehen können.
Die
101 Generationen biblischer Vorfahren dieses Oberrabbis möchte ich mit Ihnen punktuell
näher betrachten, beginnend mit der frühesten Vorfahrengeneration „Generation
1“: ADAM und EVA. Nach dem jüdischen
Kalender lebten sie im Jahre 0, und wir heute im Jahr 5763. Nach christlicher
Zeitrechnung schreiben wir heute 2003 nach Christus, also lebten ADAM und EVA 3760 v. Chr. Sie lebten im
Paradies. Der mecklenburgische, plattdeutsch schreibende Dichter Fritz REUTER
lokalisiert das Paradies nach Mecklenburg
in die Nähe von Waren an der Müritz
- wer diese schöne
mecklenburgische Landschaft kennt, dem ist das unmittelbar plausibel. ("Urgeschicht
von Meckelnborg", 1860, drüddes Kapittel: "... was dat Paradis in Meckelnborg un is ok noch hüt un
desen Dag dor." "nah de ... Nahrichten von ... NOAH ... was dat
Paradis in Meckelnborg" "ADAM is nah Jabel hentau gahn un hett sick
dor up" "in Jabel ... ADAM un EVA wahnten drin".) In
Generation 7 finden wir HENOCH, den ersten, der laut Bibel auferstanden ist
(der zweite war ELIJAH, der dritte JESUS), 3000 v. Chr.. In Generation 8 steht METHUSALEM,
dessen guten Gene meiner Mutter mit ihren 91 Jahren das Tennisspielen und
Autofahren ermöglichen, und mir eine gleichartige Lebenserwartung voraussagen. In
Generation 10 finden wir NOAH, 2500
v.Chr.. Während von seinen drei Söhnen HAM zu den Afrikanern
In
Generation 20 steht ABRAHAM mit
seiner Frau SARAH, 1700 v.Chr.. Als SARAH vorausgesagt wurde, dass sie mit 70
Jahren noch ein Kind bekomen würde, lachte sie nur. Diesen Sohn ISAAC wollte ABRAHAM Gott opfern, um
seine Glaubenstreue zu beweisen, aber Gott nahm das Opfer nicht an. Als ISAAC
im Alter von 190 Jahren im Sterben lag, wollte seine Frau REBEKKA, dass er
seinen Segen nicht dem Erstgeborenen ESAU gibt, wie es Tradition war. Sie
wickelte dem zweiten Sohn JAKOB ein
Ziegenfell um den Arm, so dass der blinde sterbende Vater ihn für seinen behaarten
Erstgeborenen hielt und irrtümlicch JAKOB den Segen gab. In
Generation 26, ca. 1400 v.Chr., finden
wir PHAREZ und seinen Vetter REHATH, dessen Enkel MOSES die Tafeln mit den zehn Geboten bekam. Von diesem Zeitpunkt
an war es für Juden extrem wichtig, dass jedes ihrer Kinder lesen und schreiben
lernte.
Im
Gefolge der 3000jährigen jüdischen Tradition, Bildung und Wissenschaft zu
vermitteln, sind 20% der Nobelpreisträger jüdischer Abstammung, aus nur 0,2 %
der Weltbevölkerung. Viele bedeutende Menschen entstammen jüdischen Familien:
MARX, EINSTEIN, FREUD, LENIN, TROTZKIJ, Rosa LUXEMBURG, KISSINGER,
CHAGALL, RUBINSTEIN, KAFKA, SPIELBERG, Barbra STREISAND, Isaac STERN,
GARFUNKEL, ZWEIG (und auch HITLER). Juden
waren über viele Jahrhunderte die einzigen Bankiers, denn Christen durften nur
von Juden Geldkredite nehmen:
"Vom Fremden (=dem Juden) magst Du Zins nehmen, aber nicht von Deinem
Bruder (= dem Christen)." (5.Mose 23: 21) Bis
weit ins 19. Jahrhundert durften Juden kein Land kaufen oder pachten und wurden
auch nicht in die Zünfte aufgenommen, konnten also weder Bauer noch Handwerker
werden, und durften auch kein öffentliches Amt bekleiden.
In
Generation 33 steht KÖNIG DAVID, 1000
v.Chr., der als Kind mit seiner Schleuder GOLIATH besiegte und auf der
Harfe spielte. So wichtig es manchen Christen ist, eine Verbindung zu KARL DEM
GROßEN zu haben, so wichtig ist es manchen Juden, an KÖNIG DAVID anknüpfen zu
können. Von ihm aus geht eine Linie zu MARIA, der Mutter von JESUS CHRISTUS, und eine zweite zu JOSEPH,
dem „Vater“ von JESUS. Eine dritte Linie führt durch 68 Generationen über die weiteren
judäischen Könige und dann ab 500 v.Chr.
die babylonischen Exilherrscher zu unserem ersten portugiesischen Oberrabbi 1110-1204 und weiter zu mir. An
Blasphemie grenzend könnte man sagen, JESUS
sei mein entfernter Vetter. Nachdem
wir die 101 Generationen von ADAM und EVA zu dem ersten portugiesischen
Oberrabbi punktuell näher betrachtet haben, möchte ich einige Hinweise geben zu
den 24 Generationen vom Oberrabbi zu mir.
Ein Portrait des vom mecklenburgischen Herzoghaus
1677 zum Hofagenten berufenen Michel HINRICHSEN hängt in London bei einem
Vetter von mir, Klaus HINRICHSEN. Leider ist nicht ganz ganz sicher, ob das
Portrait wirklich Michel darstellt, es ist nicht benannt und wurde irgendwie
durch die Generationen weitergegeben. Diese
Familie HINRICHSEN ist die älteste
jüdische Familie Mecklenburgs. Des ersten Michel Ururenkelin ist Henriette
HINRICHSEN, die August JOSEPHY heiratete, mit ihm 15 Kinder hatte, deren
jüngstes meine Urgroßmutter war. Warum
haben wir keine älteren jüdischen Familien in Mecklenburg? 1492 gab es in dem
mecklenburgischen Städtchen Sternberg, 30 km östlich von Schwerin, eine
Judenverbrennung, weil Juden angeblich Hostien geschändet hatten. Zum selben
Zeitpunkt wurden alle in Mecklenburg ansässigen Juden vertrieben oder ermordet,
oft lebendig verbrannt. Danach gab es fast 200 Jahre keine Juden in
Mecklenburg. (Für
die Mecklenburg-Historiker sei erwähnt, dass um 1660 zwei jüdische Männer in
Mecklenburg waren, aber rein beruflich, ohne Familie und auch nur für wenige
Jahre - Abraham HAGEN und Bendix GOLDSCHMIDT.) ===================== Bisher habe ich viel über Vertikalforschung/
Ahnenforschung erzählt. Wie eingangs gesagt, interessiert mich aber viel mehr
die horizontale Familienforschung nach lebenden Verwandten. ===================== Typischerweise kennt man die normalen Vettern, d.h.
mit denen man gemeinsame Großeltern hat. Schon die Vettern 2. Grades, mit denen
man gemeinsame Urgroßeltern hat, kennt man typischerweise nicht mehr. Diese
aber suche ich. Und wenn ich sie gefunden habe, versuche ich, sie auch
persönlich kennenzulernen, in ihrer Heimat oder hier in Mecklenburg. Dann gehe
ich zu den Ururgroßeltern und suche deren Nachfahren zusammen, also auch die Vettern
3. Grades. Wenn ich zu denen allen Kontakt aufgenommen habe, gehe ich zu den
Urururgroßeltern und suche auch die Vettern 4. Grades. Und so weiter.
Da aber mein primäres Anliegen die
Horizontalforschung nach lebenden Verwandten ist, kommt es bei mir
verhältnismäßig häufig vor, dass Menschen
- Vewandte - von irgendwo auf
der Welt bei mir wohnen habe und ich ihnen Mecklenburg zeige. Mit solchen
Verwandtenbesuchen ist es völlig unkompliziert. Ich kann in Toronto anrufen und
sagen "Ich muss zu einer Tagung nach Toronto und wir sind doch verwandt,
kann ich 5 Tage bei dir wohnen?" Die Antwort ist immer ja. Dass mir das
immer gelingt, ist besonders bemerkenswert deshalb, weil es sich ja um Menschen
handelt, die mich bislang nicht persönlich kennen. Ich kann nur erklären, wie
wir verwandt sind, nachdem ich nur über einen Vetter 3. Grades erfahren habe,
dass er auch dazugehört. Besonders bemerkenswert war einmal eine Tagung in
München, vor der ich meinen entfernten Vetter Miguel HINRICHSEN (mit dem
gleichen Hauptberuf wie ich) anrief und sagte, ich habe dort eine berufliche
Tagung, das sei doch eine Gelegenheit, dass wir uns kennenlernen, kann ich nicht
bei Euch wohnen? Ja, sagte er, das ist überhaupt kein Problem, die ersten 2
Tage deines Kongresses ist alles o.k., aber den 3. und 4. Tag fahren meine Frau
und ich zu einem anderen Kongress. Wir müssen nur noch regulieren, wie wir das
mit dem Schlüssel machen, damit wir bei unserer Rückkehr wieder zu unserem
Schlüssel kommen. So durfte ich alleine das Haus hüten die beiden Tage, ich
hätte es ja auch leer räumen können. So etwas erleben wir Familienforscher
typischerweise immer wieder: Das Bewusstsein der Verwandtschaft reicht, um dem
anderen voll zu vertrauen. Und dies, obwohl wir auch Spione und Mörder in der
Verwandtschaft Im Judentum ist Reichtum für das Glück im Jenseits
weder anrüchig noch irgendwie nachteilig, aber der Reichtum muss unbedingt
ehrlich erworben sein. Das Risiko, bei jüdischen Kaufleuten unter Betrüger zu
geraten ist deshalb viel geringer als bei Christen. Dass manche Leute meinen,
unter Juden gebe es kaum arme Menschen, hat darin seine Grundlage, dass
jüdische Gemeinden längst vor den staatlichen ihre eigenen Sozialsysteme hatten:
Typischerweise eine "Armen- und Witwen-Kasse", in die jedes
Gemeindeglied 10% ihres Einkommens zahlen musste - und jeder war stolz,
wenn er in eine höhere Abgabenklasse gelangt war. =========================== Im weiteren werde ich, aus den insgesamt mir
bekannten ca. 2000 Nachfahren ausgewählt, einige wenige Nachfahrenlinien näher
beleuchten. ===========================
Von Sophia und Ruben HINRICHSEN hängen Portraits
sowohl in London bei Klaus HINRICHSEN als auch in Buenos Aires bei Jürgen
HINRICHSEN. Ruben war Kaufmann, bald in Ludwigslust als Hoflieferant tätig. Die
Tochter Henriette HINRICHSEN heiratete August JOSEPHY. Ein Verwandter ist
Rudolf JOSEPHY, von Goldberg bei Güstrow aus Abgesandter in die
Paulskirchen-Reichstags-Versammlung in Frankfurt am Main 1848.
Otto KAYSEL führt mich immer wieder nach
Ludwigslust, weil er dort Ehrenbürger war und nach ihm eine Straße benannt ist
und meine Mutter und ich zu vielen offiziellen Veranstaltungen in Ludwigslust
eingeladen werden. ============================= Nun zu anderen Nachfahrenlinien von Michel
HINRICHSEN. Über seinen Sohn Ruben, seinen Enkel Michel, seine
Urenkelin Sophie mit ihrem Vetter Ruben HINRICHSEN kommen wir zu einem anderen
Nachfahren, dem Ururenkel Adolf HINRICHSEN. Von ihm habe ich eine Fotografie.
Adolf heiratete eine Sophie mit dem wunderschönen Nachnamen AARON. Von diesem
schönen jüdischen Nachnamen haben sich übrigens viele in die
Allerweltsnachnamen AHRENS, AHRENDT, AHRNDT umgenannt, mutmaßlich haben 90%
dieser Namensträger ursprünglich jüdische Vorfahren AARON. Adolf HINRICHSEN und Sophie
hatten ein Kind Marianne, die Albert COHEN heiratete. COHEN ist ein typisch
jüdischer Name, er bedeutet auf hebräisch "Priester". Sieben ihrer
acht Kinder änderten aber später ihren Nachnamen zum Geburtsnamen ihrer Mutter,
zu HINRICHSEN. Hermann geboren COHEN, umgenannt in HINRICHSEN, hatte einen Sohn
Otto HINRICHSEN, 1911 geboren und "Doddy" genannt. Er siedelte nach
Brasilien um, er wurde 2001 90 Jahre alt und ist immer noch quicklebendig. Wir
tauschen regelmäßig Emails. Er hat eine Schar von Kindern und Enkelkindern, die
fast alle in Brasilien leben. Mit mehreren von ihnen habe ich eine lebhafte
Korrespondenz, dadurch jetzt schon 4 Einladungen nach Brasilien, die ich
irgendwann umsetzen werde. Besonders hübsch finde ich, dass Doddy's und seiner
Frau Lou fünfter Sohn Fernando jetzt mit seiner Frau Claudia, geb. COSTA, und
seinen Kindern wieder in Portugal lebt, wo die Vorfahrenlinie ursprünglich
herkam. Doddy ist, obwohl zugereister, in Brasilien Ehrenbürger (a) seiner Stadt (Recife) und (b) darüber hinaus des ganzen Staates
(Pernambuco, also als ob man hier Ehrenbürger von ganz Mecklenburg wäre). Demnach
hat er sich nicht nur hervorragend integriert, sondern darüberhinaus hervorragendes
für Stadt und Land geleistet. Zur Charakterisierung des Christen- und Judentums im
Unterschied zu den anderen großen Weltreligionen gibt es eine Anekdote:
Ein Mann ist in einen Gulli gefallen. Als erstes kommt der Buddhist
vorbei, guckt hinunter, sagt "Ich muss nachdenken, was das zu bedeuten
hat" und geht weiter. Als zweites kommt der Moslem vorbei, guckt hinunter:
"Das ist Schicksal", und geht weiter. Als drittes kommen der Jude und
der Christ vorbei: Sie sehen den Mann da unten, steigen sofort hinab und holen
ihn herauf. Solche Anekdoten überzeichnen ja immer, aber haben einen wahren
Kern. Soziale Aktivität - kirchlich
"Barmherzigkeit" - hat in
unserer christlich-abendländisch geprägten Gesellschaft einen hohen
Stellenwert, auch für die von uns, die nicht gläubig sind, aber eben in einem
christlich geprägten Wertesystem aufgewachsen sind. Aber typischerweise ist
dies bei den jüdischen Mitbürgern noch eine Idee stärker ausgeprägt, wie sich
in den "Armen- und Witwenkassen“ wiederspiegelt. Vor diesem Hintergrund ist für mich sehr gut
vorstellbar, dass Doddy HINRICHSEN -
ich kann seine portugiesisch geschriebene Autobiografie leider nicht lesen
- Ehrenbürger geworden ist, nachdem er
beispielsweise im Rahmen seines Baumwollanbaukaufmann-Daseins für seine
Mitarbeiter eine eigene betriebliche Sozialversicherung geschaffen hat. So
etwas haben viele meiner kaufmännischen jüdischen Verwandten getan. Diese
betrieblichen Sozialversicherungen waren wichtige Einrichtungen, auch und
gerade für die nicht-jüdischen Mitarbeiter, als der Staat noch kein soziales
Sicherungssystem bot. ===============================
James und Molly's Enkel Antonio DAL BRUN wohnt in
Padua, er ist Finanzmanager einer führenden Alkoholika-Firma. Er selbst klingt
am Telefon aber immer sehr nüchtern. Es war ganz schwer, an ihn heranzukommen.
Ich wusste nur, dass irgendein DAL BRUN nach Padua gegangen sei. Im
Internet-Telefonbuch gab es drei DAL BRUNs. Zwei waren immer nicht da. Beim
dritten - Antonio - bekam ich immer seine Frau ans Telefon, der
ich Englisches und Deutsches erzählte, was sie aber beides offenbar nicht
verstand und woraufhin sie auflegte. Schließlich habe ich meine Nichte, die in
Rom studiert, gebeten, dort für mich anzurufen. Antonio war hingerissen, am
nächsten Tag hatte ich von ihm eine mail. Ich freue mich schon darauf, mal nach
Padua zu fahren. ============================== Eine vierte Nachfahrenlinie
von Michel HINRICHSEN führt über Ruben zu einem anderen Enkel, namens Samson,
der Jette geb. ISRAEL heiratete. Von Samson und Jette geht es über Rebecca -
Wolf - Michel ("Emil") - Erich - Rolf - Karin verheiratet mit Dieter
STEINMANN zu Nicole, verheiratet mit Heiko MEYER. Mancher von Ihnen weiß, dass
ich ihm Zivilberuf Kinderarzt bin. Heiko MEYER ist Kollege von mir, ist
inzwischen nach Rotenburg an der Wümme/ Niedersachsen gegangen und sitzt dort
in einer Doppelpraxis, wo ein Doktorand von mir schon vor Jahren hingegangen
ist. Zunächst war da nur meine Beziehung Heiko MEYERs Kollegen. Dass nun auch
Heiko MEYER in Beziehung zu mir steht, finde ich geradezu aberwitzig. So klein
kann die Welt sein. Besonders bemerkendswert ist, dass es zu Nicole
STEIMANN auch über die Linie Michel -
Rebecca - Wolf - Rosalie verheiratet mit Joseph KEMPNER - Laura verheiratet mit
Michel ("Emil") HINRICHSEN - Erich - Rolf – Karin verh. STEINMANN -
Nicole verh. mit Heiko MEYER geht. Also gab es hier eine Verwandtenheirat. Und
eine dritte und vierte Linie gehen über
Michel - Hanna - Sophie verheiratet mit Wolf HINRICHSEN zu den vorgenannten Linien. Also gab es hier
mehrere Verwandtenheiraten, also sogenannten Ahnenschwund. Heiko ist also auf
mehrfachem Wege ein Vetter von mir. ======================= Eine fünfte Nachfahrenlinie
von Michel HINRICHSEN geht über Ruben – Michel - Ruben. Diese
Folge zeigt alle männlichen Hofagenten von der 1. bis zur 4. Generation. Die
letzten beiden wohnten in dem Haus, das heute Stadtgeschichtsmuseum hier in
Schwerin ist. Von dem letztgenannten Ruben geht es weiter über Adolph HINRICHSEN (Korsettfabrikant in
Hamburg) - Robert HINRICHSEN (übernahm die Korsettfabrik von seinem Vater)
zu Henri HINRICHSEN, Alleininhaber des
Musikverlages "Edition C. F. PETERS". Noch heute ist "C.F. PETERS"
höchst renommiert. In Leipzig ist eine Straße nach Henri HINRICHSEN benannt.
Henri war Stadtverordneter, Dr. phil. h.c.. Diesen Ehren-Doktor bekam er von
der Universität für seine vielen sozialen Tätigkeiten, die er mit seinem
Musikverlag finanzierte. Er hat z.B. vielen Frauen ermöglicht, Musik zu studieren,
wenn sie begabt waren und es die Elternhäuser sich nicht leisten konnten. Hier
ist wieder deutlich, dass im christlich geprägten Staat Frauenbildung eher ein
jüdisches Anliegen war, gleichermaßen für nicht-jüdische wie für jüdische
Frauen. In dieser Familie finden Sie, wie in vielen anderen, den ganzen
Schrecken der NS-Zeit: Beide Eltern und zwei der sechs Kinder und ein
Schwiegerkind kamen im Holocaust um, d.h. wurden ermordet. Henri's Enkelin
Irene, Musik-Wissenschaftlerin und Journalistin, hat in einem Buch die ganze
Geschichte des Musikverlages C. F. Peters beschreiben: ISBN 0-9536112-0-5.
Irene ist eine ganz reizende Frau, die mich in Deutschland und die ich in
London besucht habe. =============================== Bei meinem Brückenbauen zu lebenden Verwandten habe
ich durch meine Familienforschung nette neue Menschen kennengelernt, die aus
ganz anderen soziokulturellem Umfeld kommen und in ganz anderen sozialen
Kontexten leben - das ist fast immer der Fall bei Verwandten,
die entfernter sind als Vettern zweiten Grades, wo also die gemeinsamen
Vorfahren weiter weg sind als gemeinsame Urgroßeltern. Ohne Verwandtschaft
kommen man in unserer Gesellschaft richtig hinein nur bei anderen Leuten, die
auf der selben sozialen Ebene wie wir agieren. Bei anderen bleibt immer eine
Distanzhürde. Aber das Wissen um die Verwandtschaft allein - auch wenn man Vettern 10.Grades ist - genügt schon, um sich ohne vorweg 3 Stunden
bis 3 Wochen smalltalk richtig nahe zu kommen. Dann erfährt man auch
voneinander, was einen eigentlich bewegt in den eigenen spezifischen
Lebensumständen. Ohne die Verwandtschafts-Brücke ist es wie eine Touristenreise
mit Studiosus, wo man viel oberflächlich Bildsames kennenlernt, aber in die
Tiefen der emotionalen Probleme des Landes nicht eindringt. Hingegen bei
Verwandten kann man schon nach 17 Minuten den anderen fragen "Sag mal,
wenn du es beantworten magst, was bist du eigentlich für ein komischer Mensch,
dass du jetzt schon den vierten Ehepartner hast?". Das dürfen Sie einen Nichtverwandten
nie fragen, auch nicht in dieser vorsichtigen Weise nach drei Wochen. Solche
Verwandtenbesuche hier oder in deren Heimat sind meine Lieblingsart von Urlaub.
Ich sättige meine Neugierde, auf andere Menschen und auf andere Lebensweisen. ==========================
========================= So wächst unsere Familie HENRIQUES/ HINRICHSEN
-Familie ständig. Peter Chr. CLEMENS, Priv.Doz. Dr.med.habil., Am Tannenhof 52, D-19061
Schwerin-Schlossgarten, Tel +49-(0)385 -565670 (oder -5202660), Fax -5558979
(oder -5202676), dr.clemenspc@p4all.de |
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©D. Garling (Editor) |
zuletzt geändert: 24. Januar 2004 | |